„Wirtschaft und Politik nach dem Brexit“

Welche Auswirkungen hat der Brexit auf Nordrhein-Westfalens Wirtschaft?

Vier Monate nach dem Referendum zum EU-Austritt des Vereinigten Königreiches lud die Stiftung für die Freiheit in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer zu Essen in der GENO BANK zur Diskussion.
Vier Monate ist es her, da haben die Briten sich dazu entschlossen, die Europäische Union zu verlassen. Doch der Brexit bereitet weiterhin Kopfzerbrechen. Umso größer war das Interesse an der Expertenrunde „Wirtschaft und Politik nach dem Brexit“. Über 60 Personen diskutierten mit Marc Meckle, Stellvertretender Geschäftsführer International der IHK zu Essen, und Karl-Heinz Paqué, Minister a. D., Professor für Internationale Wirtschaft und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.
„Wir alle waren zu optimistisch und hätten nie gedacht, dass das Referendum pro Brexit ausgehen würde“, begann Paqué seine Rede. Er kritisierte die Angstmacherpolitik vor dem Referendum: „Bei aller Kritik an der EU hat sich keine der großen Parteien, weder Labour noch Conservatives, deutlich genug für ein Remain-Votum eingesetzt. Einzig die Liberalen haben sich klar zu Europa bekannt.“
Viele Wirtschaftsexperten und Politiker hatten vor dem Brexit gewarnt. Nach dem Leave-Votum und noch bevor feststeht, wann und zu welchen Konditionen das Vereinigte Königreich die EU verlassen wird, mehren sich die Anzeichen für eine Abkühlung der britischen Wirtschaft. Weltweit haben Unternehmen begonnen, den Standort Großbritannien auf den Prüfstand zu stellen und sorgen sich, dass die anhaltende Unsicherheit die europäischen Volkswirtschaften belasten und das Wachstum dämpfen könnte.
Marc Meckle betonte die hohe Relevanz der Europäischen Union für das Ruhrgebiet: „Unsere Region liegt im Herzen Europas. Ein Großteil der Unternehmen hier handelt mit anderen EU-Ländern. Das Vereinigte Königreich ist dabei ein großer Akteur“. Wie stark der Brexit die britische Wirtschaft schließlich belasten wird und welche ökonomischen Auswirkungen ein tatsächlicher Austritt für die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen und die Bundesrepublik Deutschland hat, sei heute allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht auszumachen. Die Frage aus dem Publikum, ob man sich nun bei seiner Ausbildung weniger auf das Vereinigte Königreich fokussieren sollte, verneinte Meckle: „Das Vereinigte Königreich wird weiterhin einer der wichtigsten Wirtschaftspartner Nordrhein-Westfalens bleiben.“
Sorge bereitete an diesem Abend schließlich weniger die Wirtschaft des Ruhrgebiets als die politische Großwetterlage in Großbritannien: „Wenn der Austritt vollzogen wird, warten wir mal ab, ob das vereinigte Königreich noch so vereinigt bleibt“, resümierte Prof. Paqué mit Blick auf die Schottischen Unabhängigkeitsbestrebungen.
„Der Brexit bewegt die Menschen“, fasste Jan-Frederik Kremer, Leiter des Stiftungsbüros in NRW zufrieden zusammen, „Wir wollten den Menschen die Möglichkeit geben, ihre persönlichen Anliegen und Fragen zum Brexit zu diskutieren. Dank der tollen Partnerschaft mit der hiesigen IHK und der Unterstützung der GENO BANK ist uns das sehr gut gelungen.“

Foto: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit v.l.n.R. Jan-Frederik Kremer (Stiftung Freiheit), Heinz-Georg Anschott (GENO BANK), Veronika Lühl (IHK), Karl-Heinz Paqué, Marc Meckle