GENO TALK

Die neue Ess-Klasse im Ruhrgebiet

Essen, 15.07.2013

Zum Thema „Die neue Ess-Klasse: Von der Eckkneipe zum Sternetempel. Der gastronomische Wandel im Ruhrgebiet“ diskutierten Moderator Wulf Mämpel und seine Gäste beim 8. GENO TALK das lukullische Angebot in Essen und in der Region.

Gesprächsteilnehmer der kurzweiligen Runde im gut besuchten Forum der Bank waren Christiane Behnke, Kneipenwirtin der „Budike“ in Essen-Kray und Vorsitzende des DEHOGA Essen, Berthold Bühler, Inhaber des Zwei-Sterne-Restaurants „Residence“ in Kettwig, Michael Lübbert, Inhaber des Schloss-Hotels „Hugenpoet“ in Kettwig und „Hotelier des Jahres 2013“, Nelson Müller, bekannter TV-Sterne-Koch, Soul-Sänger und Inhaber der „Schote“ in Essen-Rüttenscheid, Raimund Ostendorp, Ex-Sternekoch, Inhaber der renommiertesten Pommesbude des Reviers in Bochum-Wattenscheid, und Werner Rzepucha, Inhaber des „Gebrandenhof“ in Rüttenscheid und erfolgreicher Open-Air-Gastronom.

Die Runde war sich einig darüber, dass im Ruhrgebiet das gastronomische Angebot inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht habe, vergleichbar etwa mit dem positiven kulturellen Strukturwandel. Dennoch sei die Bevölkerung, was das Essen betrifft, gespalten: Eine Hälfte bevorzuge frische Köstlichkeiten, die andere eher die sogenannte System-Gastronomie. Das reichhaltige Angebot an hervorragenden Restaurants sei aber auch das Ergebnis eines Wandels in den Essgewohnheiten: Der Mensch kehre zurück zu seinen lokalen „Koch-Wurzeln“, wichtig sei aber, dass die Qualität stimme. Auch das Gesundheitsbewusstsein sei gestiegen: Die Angst vor dem „Selbstmord mit Messer und Gabel“ würde die Konsumenten zur Verarbeitung von mehr natürlichen Produkten animieren.

Deutlich wurde an dem mit großem Beifall aufgenommen Abend aber auch, dass ein „Stern“ noch lange nicht bedeute, als Gastronom viel Geld zu verdienen. Im Gegenteil: Hugenpoet-Chef Michael Lübbert gab bekannt, dass er sein Sterne-Restaurant „Nero“ aufgeben werde – es sei kein finanzieller Erfolg geworden. Auch die Diskussion um Compliance, die selbstauferlegte Regeltreue bei Unternehmen, führe dazu, dass die Umsätze in der Branche zurückgingen. Die täglichen Kochsendungen im Fernsehen, so Nelson Müller, bewiesen aber, dass das Thema „Essen und Trinken“ nach wie vor einen hohen Stellenwert besäße. Alle Teilnehmer waren sich einig darüber, dass auch in Zukunft die Berufe in der Gastronomie und Hotellerie für gut ausgebildete junge Menschen große internationale Chancen bereithielten.