GENO TALK am 27. April 2015

Kinderfreundlich oder kinderfeindlich – ist Essen eine Großstadt für Kinder?

In Essen leben 86.000 Kinder und Jugendliche unter 18 und 70.000 unter 15 Jahre. Sie alle wollen glücklich sein, eine glückliche und wohlbehütete Jugend erfahren. „Sie haben sogar ein Recht darauf“, war die einhellige Meinung der Gäste des 13. GENO TALKS am 27. April. Doch die Realität ist oft eine andere.

Die Gesprächsrunde beleuchtete die Gründe für die häufig schwierige Situation von Kindern und diskutierte Ermittlungen des Statistischen Bundesamtes in Berlin. Demnach sank in den letzten zehn Jahren die Zahl der unter 18-Jährigen um 2,1 Millionen. Damit ist Deutschland das kinderärmste Land Europas. Außerdem wachsen immer mehr Kinder mit nur einem Elternteil auf. In Deutschland betrifft das mittlerweile jede fünfte Familie – Tendenz steigend. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen, davon 60 Prozent erwerbstätig.

Wulf Mämpel, Moderator des GENO TALKS, stellte angesichts dieser Entwicklung die Frage, ob das nicht einer Absage an die Familie gleich komme. Die Talk-Gäste waren sich einig, dass Kinder in einer intakten Familie natürlich bessere Zukunftschancen hätten, jedoch die genannten Entwicklungen nicht selten in Kinderarmut und Gewalt gegen Kinder münden. In Essen zeige sich dies in einem deutlichen Nord-Süd-Gefälle. Zahlreiche Vereine und Organisationen mit vielen ehrenamtlichen Helfern widmen sich daher hier dem Wohl von Kindern. Ohne sie wäre die Lage prekär.

Doch das Fazit des engagierten Talks war durchaus positiv: Essen ist eine Großstadt für Kinder. Die Aufgabe sei zwar groß und jede Entwicklung bringe neue Probleme mit sich. Doch die Tatsache, dass die Stadt rund 300 Millionen Euro pro Jahr dem Jugendamt, Vereinen und Verbänden zur Verfügung stellt, weise eindeutig in Richtung starkes Engagement für Kinder.

Auf dem 13. GENO TALK diskutierten:

Annette Berg,  Leiterin des Jugendamtes der Stadt Essen,
Armin Holle, Präsident des Vereins Förderturm – Ideen für Essener Kinder e.V.,
Steffen Hunder,
Pfarrer der Kirchengemeinde Essen-Altstadt,
Dr. Ulrich Kohns,  Facharzt für Kinder– und Jugendmedizin, stellv. Vorsitzender des Kinderschutzbundes Ortsverband Essen,
Dr. Herbert Lütkestratkötter, Vorsitzender des Kuratoriums der Kinderstiftung Essen
Prof. Dr. Ulrich Spie, Vorstandsvorsitzender des Kinderschutzbundes Ortsverband Essen.