GENO TALK

Olympia im Ruhrgebiet 2032 - Größenwahn oder reelle Chance?

Die Olympischen Spiele ziehen seit jeher die Menschen in ihren Bann. Nun könnte das Ruhrgebiet zum sportlichen Schauplatz werden. Doch was bedeutet das für unsere Region? Dieser Frage widmete sich der 23. GENO TALK.


14 nordrhein-westfälische Kommunen wollen sich für die Sommerspiele 2032 an Rhein und Ruhr bewerben. Zwar wird erst 2023 das Bewerbungsverfahren eingeleitet, der Deutsche Olympische Sportbund muss jedoch bis 2021 über eine deutsche Bewerbung entscheiden. Im vollbesetzen Forum der GENO BANK diskutierte am 5.11. Moderator Wulf Mämpel mit seinen Gästen über die wirtschaftliche Bedeutung und die Nachhaltigkeit von Olympischen Spielen im Revier.


Oberbürgermeister Thomas Kufen begrüßt die Bewerbung ausdrücklich und bewertet Olympia an Rhein und Ruhr als große Chance – nicht allein für die Region. Denn der Austragungsort Ruhrgebiet stärke darüber hinaus das Olympia-Image. „Hier werden die Spiele nicht durch ein autokratisches System initiiert, sondern durch einen freien Bürgerentscheid“, so Kufen. Der Oberbürgermeister erwartet im Ruhrgebiet bodenständige und nachhaltige Spiele, die weit jenseits von Gigantismus liegen. Einen großen Vorteil für das Ruhrgebiet sieht er beim öffentlichen Personennahverkehr, der Achillesferse unserer Region. „Von den Olympia-Mobilitätskonzepten würde der Nahverkehr nachhaltig profitieren“, erläutert Kufen und nennt mit Kulturhauptstadt 2010, Grüne Hauptstadt Europas 2017 und der Emscher-Renaturierung nachhaltige Entwicklungsprojekte, die die Region deutlich nach vorn gebracht haben. „Wir müssen die Frage beantworten ‚Provinz oder Großstadt?‘“, fordert er. Laut einer WAZ-Umfrage sprächen sich schon jetzt 68 Prozent der Bürger für Olympia im Revier aus.


Eine reelle Chance der Bewerbung sieht auch Philip Erbers, Geschäftsführer der Rhein Ruhr City GmbH. Er verweist darauf, dass bei der Prüfung im Jahr 2016 bereits 80 Prozent der Stadien und Sportstätten vorhanden waren. Außerdem ließen sich die großen Messeflächen in den Städten gut für Indoor-Sportarten nutzen. „Wir sind schon nachhaltig, ehe wir anfangen“, stellt er fest. Und er ist froh über das Umdenken des IOC, denn durch Gigantismus würden die Spiele immer unbeliebter.


Auch Horst Melzer setzt sich als Olympiabotschafter der Stadt Essen und Geschäftsführer des Sport- und Tanzinternats Essen für die Bewerbung 2032 ein. Er erinnert daran, dass die Olympischen Spiele der Neuzeit ein Treffen der Jugend der Welt sein und dem sportlichen Vergleich und der Völkerverständigung dienen sollten. „Wir werden die neuen Spiele der Neuzeit präsentieren“, ist er sicher, „ohne Gigantismus, dafür mit Nachhaltigkeit und Vorteilen für alle Bürger.“ Seiner Meinung nach ist es wichtig, jetzt mit Kampagnen zu werben und über unsere Region zu informieren. „Und wenn wir den Zuschlag nicht erhalten, dann haben wir wenigstens gute Werbung gemacht“, so Melzer.


Als ehemaliger erfolgreicher Olympiateilnehmer kennt Ansgar Wessling die Spiele und weiß, dass Größenwahn nicht dem Wunsch der Sportler entspricht: „Gigantische Spiele finden meist dort statt, wo die Menschen sich nicht frei äußern können. Das brauchen wir hier nicht“. Er moniert die signifikante Änderung in der Gesellschaft, den Verlust von Empathie, sozialer Kompetenz und Respekt. Genau da zeige sich seines Erachtens die Wichtigkeit des Sports. Sportvereine vermitteln Werte, die in vielen Familien nicht mehr vermittelt werden. „Die Vorbildfunktion von Sportlern in der Gesellschaft ist nicht zu unterschätzen“, so Wessling „da steht der Medaillenspiegel am Ende der Kette“.